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München, Juli 2010
Europas Zukunft liegt in Afrika, also:
Tauschen Sie Ihre EUROs in das Geld der Zukunft!
Ziehen Sie AFROs!
 
MANSOUR CISS
Mitte der 80er Jahre kam Mansour Ciss erstmals nach Deutschland. Er hatte am Institut National des Arts du Senegal studiert und anschließend als Bildhauer, aber auch als Textildesigner und Bühnendekorateur gearbeitet. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland brachten ihn Mitte der 80er Jahre erst nach Bielefeld, Köln und später nach Berlin. Er sagt von sich, dass er in Berlin anders denken gelernt hat - vor allem konzeptioneller, was sich in seinen heutigen Arbeiten zeigt. Berlin hat ihm aber auch einen Sohn geschenkt, Mandela. Das war 1985 - also 100 Jahre nach der Afrikakonferenz. (Er hat auch eine Tochter, aber das wäre eine andere Geschichte ...).
 
BERLINISATION
Ließ ihn das diesen Begriff prägen? Berlinisation? Ich muss zugeben, dass ich damit anfangs gar nichts anfangen konnte. Erst ein Gespräch mit ihm auf der DAK’ART 2010 machte mir klar, womit sich eigentlich alle afrikanischen Künstler beschäftigen – Kolonisation und / oder Dekolonisation. Als Künstler, der im Zentrum der ehemaligen französischen Kolonialstaaten aufgewachsen war und später nach Berlin übersiedelte, beschäftigt er sich verständlicher Weise besonders mit der Geschichte dieser beiden Städte. Auch andere hatten an das „Jubiläum“ der Berliner Konferenz erinnert, in zahlreichen Ausstellungen und wie man hört, plant jetzt auch Schlöndorff einen Film über die Kongo-Konferenz. Das Thema ist präsent, doch was ist das Wesentliche?
Vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 fand auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Bismarck in Berlin die sogenannte Kongokonferenz statt. Im englischen Sprachgebrauch wird sie meist Berliner Konferenz genannt. Sie sollte die Handelsfreiheit an Kongo und Niger regeln und bildete mit ihrem Schlussdokument, der Kongoakte, die Grundlage für die Aufteilung Afrikas in die uns bekannten Kolonien. In ihrer Folge nahm der Wettlauf um die Territorien weiter zu. 1914, als die Aufteilung abgeschlossen war, waren auf dem afrikanischen Kontinent nur Liberia und Äthiopien der europäischen Herrschaft entgangen. Und Deutschland war „zu kurz gekommen“ …
 
DEBERLINISATION
Heute, im 50. Jahr nachdem die meisten afrikanischen Staaten ihre Unabhängigkeit von den Kolonialmächten errungen haben, treten neben den ökonomischen, die sozialen und mentalen Spätfolgen immer stärker zutage. Wer Regionen so ausbeutet, in Jahrhunderte gewachsene Gemeinschaften so zerstörerisch eingreift, Grenzverläufe so willkürlich setzt, muss sich nicht wundern, dass Jahrzehnte später instabile Systeme entstanden sind, die sich selbst nicht tragen, die Bevölkerung nicht ausreichend ernähren, ihre Gesundheit schädigen... Scharen von Politikern, Künstlern, Wissenschaftlern und Journalisten zerbrechen sich heute die Köpfe, versuchen aufzudecken, aufzuklären und Veränderungen herbeizuführen. Konferenzen um Konferenzen werden abgehalten, Millenniumsziele aufgestellt und ad absurdum geführt, Sporthighlights können nur einen wagen Hoffungsschimmer an den Horizont zeichnen. Angesichts des schwarzen Kontinents scheinen alle Ideen und Vorhaben wie der besagte Tropfen auf dem heißen Stein zu verdampfen. Afrika wird aufgerieben zwischen europäischen "Wohltätern", neuen asiatischen Kollonisten und korrupten Herrschaftsstrukturen.
 
DEBERLINISATION! Endlich! Wirklich! Jetzt!
Doch was kann ein Künstler wirklich bewirken? Mansour Ciss beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Themen, ist mit seinen Arbeiten auf internationalen Kunstbiennalen und Symposien vertreten. Regelmäßig stellt er seit 1996 auf der DAK’ART seine Ideen zur Diskussion. Mit Baruch Gotlieb und Christian Hanussek gründete er 2001 das Laboratoire DEBERLINISATION und entwickelte mit ihnen gemeinsam Konzepte, um diese Diskussionen in die Welt zu tragen. Dazu suchte und fand Ciss eine besondere Sprache. Geld! Ein ganz besonderes Medium, wie er sagt. Eins, das jeder kennt und jeder versteht.
EUROs, 2002 offiziell eingeführt, kennt jedes Kind. Ähnliches gilt für die Währung CFA in Westafrika. Seit 1945 gibt es sie in zwei Ausprägungen: CFA-Franc BEAC und CFA-Franc BCEAO. Die Bedeutung der Abkürzung CFA hat sich nach der politischen Unabhängigkeit geändert. Aus „Colonies Françaises d'Afrique“ wurde „Communautés Françaises d'Afrique“. Doch die ökonomische Abhängigkeit ist geblieben. Durch die Bindung des CFA-Franc an den Franc bzw. heute an den EURO ist der starke wirtschaftliche wie auch politische Einfluss Frankreichs ungebrochen.
So erfand Ciss als Teil eines großen utopischen Konzepts eine neue imaginäre Währung.  Sie verkörpert gleichzeitig die Hoffnung auf ein vereintes Afrikas wie auf die Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Lage des Kontinents.

 

AFRO - Prototyp-Währung für ganz Afrika
Mansour Ciss in der Retrospektive der DAK'ART 2010
Foto: Mansour Ciss in der Retrospektive der DAK'ART 2010
 
2002 tauchten AFROs erstmals während der Biennale in Dakar auf. Ciss hatte kleine Bäcker- und Lotto-Kioske in der Stadt mittels Plakatwerbung als Wechselstuben gekennzeichnet. Fortgeschrittene digitale Technik hatte die Produktion der Scheine ermöglicht. Jetzt konnten an rund 2000 Stellen in Dakar CFA gegen AFRO getauscht werden. Leider nur getauscht  - kaufen mit AFROs ist bisher nicht möglich. Es ist reine Provokation, die die Sinne stimuliert. Ein Kunstprodukt. Das musste auch der senegalesische Staatspräsident Abdoulaye Wade erkennen, der bei der Präsentation des AFRO entsetzt frage: „Ist das Falschgeld?“
Es ist eine Antwort auf den EURO. Die Schaffung eines einheitlichen Währungsraums, verwaltet von und für alle Afrikaner, würde die wirtschaftlichen und insbesondere die Handelsinteressen afrikanischer Staaten gegenüber der entwickelten Welt stärken. Wahre Unabhängigkeit braucht eine unabhängige, nach Möglichkeit panafrikanische Währung, so Ciss.
 
AFRO von Mansour Ciss
Foto: Mansour Ciss sein AFRO-Konzept erklärend in der Retrospektive der DAK'ART 2010
 
Der AFRO erscheint in Stückelungen von 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500er Scheinen - wie echtes Geld. Für die DAK’AFR 2010 hat Ciss sein Konzept weiter ausgebaut und präsentierte überdimensionale AFROs mit zahlreichen afrikanischen Motive, Formen, Designs, Persönlichkeiten - von Awadi bis Sengohr. Die AFROs sollen gegen das Vergessen wirken, zum Erhalt des Kulturguts beitragen und gleichzeitig Fragen aufwerfen – nach Führungspersönlichkeiten, Identität, Perspektiven. Mit diesem Geld in den Händen seine die Menschen gezwungen, über den Sinn, den Wert des Geldes und ihre eigene Zukunft nachzudenken, so Ciss. Und nur, wenn alle sich beteiligen, kann neues, zukunftsfähiges entstehen.
Die AFROs indes haben es geschafft – von Senegal und Berlin über Europa und Afrika aus sind sie bis nach Amerika gereist und längst auch in China angekommen.
 
AFRO-Geldautomat, AFRO EXPRESS & GLOBAL PASS
Mansour Ciss erhielt 2008 den ersten Preis der Biennale in Dakar (Grand Prix Léopold Sédar Senghor) für den Teil seines Projekts, den er "Entberlinisierung" nennt. Zu sehen waren zwei überdimensionale Streichholzschachteln mit Abbildern des Brandenburger Tors und Afrikas Umriss. Abgebrannte Streichhölzer davor spielten wieder auf die Berliner Afrika-Konferenz an. Für den Grenzgänger zwischen den Kulturen mit zwei Heimaten – Dakar und Berlin – gab es obendrein ein dreimonatiges Stipendium in China.
Kein Wunder also die neuesten Utopien des Laboratoire DEBERLINISATION:
• Chinesische AFRO-Geldautomaten weltweit – vom Prenzlauer Berg über ganz Deutschland, ganz Afrika, ja eigentlich weltweit – an denen AFROs abgehoben werden können;
• außerdem eine AFRO-EXPRESS-Karte zum schnelleren, bequemeren Einkauf weltweit und in konsequenter Fortführung des Gedankens
• ein GLOBAL PASS zum Reisen ohne Grenzen.
 
AFRO-EXPRESS-Karte & GLOBAL PASS, Mansour Ciss
Foto: AFRO-EXPRESS-Karte & GLOBAL PASS
 
In der Werbung ist von beispielloser Funktionalität der Karten zu lesen und Sie sind aufgefordert, sich sofort für ihre personalisierte Karte zu registrieren. Das können Sie natürlich auch im Netz erledigen - beim Laboratoire DEBERLINISATION
 
Monumentale Utopie
Doch damit nicht genug. Ein großer Abschluss muss noch her, ein Lebenswerk, etwas dass den Deutschen mahnt und bleibt, ein Monument.
Gerade wurde im Senegal ein solches eingeweiht. Abdoulaye Wade ließ neben tausend anderem zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Senegals ein gigantisches Denkmal bauen. Eine heroische afrikanische Familie als Sinnbild der neuen Ära der afrikanischen Renaissance. Das Monument beinhaltet Konferenzräume, Ausstellungshalle und eine Aussichtsplattform im Kopf des Mannes. Es ist 49 Meter hoch und damit zurzeit die höchste Figur weltweit (höher als die Freiheitsstatur in New York). Gebaut von einer nordkoreanischen Firma verschlang sie vieldiskutierte 27 Millionen Dollar. Aber sie ist in aller Munde und soll dem Senegal zukünftig Geld einbringen, mit jedem Besucher.
Ciss meint: So etwas braucht Berlin – ein Monument der DEBERLINISIERUNG möglichst bis 2020 und mindestens 50 Meter muss es in den Himmel ragen. Ein Standort und Sponsoren werden noch gesucht! Letzterer könnte dann vielleicht auch in AFRO zahlen, denn die Währung besitzt im Gegensatz zum EURO eine echte Golddeckung. Sollte der EURO weiter fallen also eine sichere Anlagealternative – kein Scherz!
Europas Zukunft liegt in Afrika, also:
Tauschen Sie Ihre EUROs in das Geld der Zukunft!
Ziehen Sie AFROs!
 
PS. Sollten Sie in Ihrer Strasse / Ihrer Stadt AFRO-Geldautomaten sichten, würden wir uns über ein Foto freuen – am besten mit Ihnen oder Ihren Freunden beim Geldabheben vor dem Automat. So werden Sie zumindest Teil des Kunstwerks.
 
Text &, Fotos: © Barbara Schirpke
gefördert vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED)
mehr Info:
Laboratoire DEBERLINISATION
Website der DAK'ART
IFAN Museum ( Place Soweto, Dakar, Senegal
 
Donnerstag, 22.02.2018
26.2.1961
Hassan II. wird König von Marokko - 2000 gestorben
28.2.1922
Ägypten wird formell unabhängig
28.2.1976
die POLISARIO erklärt die Unabhängigkeit der Arabischen Demokratischen Republik Sahara. Das Land wird von Marokko beansprucht und besetzt.
Fehler sind wie Berge, man steht auf dem eigenen und redet über die der anderen.
Weisheit der Hausa
 

weiterführende Links:


 

     
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