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April 2005, München
Jubelstimmung aus Afrika zu vernehmen: Ende der weiblichen Beschneidung in Benin.

 

In Natitingou, einer Stadt im Nordwesten Benins, wurde im April 2005 ein großes Volksfest gefeiert. Anlaß war der Bruch mit einer der ältesten Traditionen - der weiblichen Beschneidung. Wesentlichen Anteil am diesem Erfolg hat der deutsche Verein (I)NTACT.
Barbara Schirpke von AfroPort, begleitete Christa Müller auf ihrer Reise zum großen Fest in Natitingou, zur Wahl der Miss (I)NTACT und zu Gesprächen mit dem mächtigsten Fetisch-Priester Benins, Yarikaté, in Tora sowie mit dem Beschneider, Natikou Bona, in Tampobré.

 

Anwesenheit von Vertretern des öffentlichen Lebens

Trotz über 40 Grad im Schatten fanden sich im Stadion von Natitingou am 2. April-Wochenende über Tausend Menschen ein. Unter ihnen waren 250 ehemalige Beschneiderinnen und Beschneider sowie Peulh-Vermittelerinnen, 30 Entscheider, darunter v.a. die wichtigsten Fetisch-Priester der Region sowie 50 Peulh-Clanchefs. Manche waren zu diesem Fest mehrere 100 Kilometer über staubige Pisten gefahren. Andere kamen auf den gut ausgebauten Strassen aus dem Süden des Landes, wo die Aufklärungskampagnen 1996 begonnen hatten.

 
Eigens zu diesem Anlass aus Deutschland angereist war die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul (siehe Fotos rechts). Sie wurde begleitet von der beninischen Ministerin für Handel und Industrie, Madame Massiyatou Latoundji Lauriano, der Ministerin für Familie und Soziales, Madame Léa Hounkpé, dem deutschen Botschafter in Benin, Dr. Wienand, von Christa Müller, Gründerin des Vereins (I)NTACT und weiteren namhaften Persönlichkeiten des In- und Auslands.
 
Brauch der weiblichen Beschneidung in Benin beendet
Für die 300 Akteure - die ehemaligen Bescheiderinnnen und Beschneider, die traditionellen Chefs und Älteste sowie die Vertreter von regionalen Gruppen gegen die Beschneidung - hatte das Fest bereits am Tag zuvor begonnen. Durch Vorträge und Diskussionen hatten sie nochmals ihre Standpunkte überprüft, diskutiert und schließlich Ansprachen für das kommende Ereignis erarbeitet sowie ihre Vertreter gewählt. Während des Festes stellten sie einhellig ihre Positionen klar: "Wir werden es nicht mehr befürworten Mädchen zu bescheiden. Wir haben beschlossen diesen Brauch in Benin ein für alle mal zu beenden."
 
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul rief zum gemeinsamen Kampf gegen die Beschneidung von Frauen und Mädchen auf. Weltweit werden noch immer jeden Tag 6.000 Mädchen und Frauen an ihren Genitalien verstümmelt. Das nehme "den betroffenen Mädchen und Frauen einen kleinen Teil des Körpers - und einen großen Teil ihrer Würde", betonte sie vor den Teilnehmern der Feier.
Foto rechts: Ansprache des Vertreters der traditionellen Chefs
 
Wahl der Miss (I)NTACT
Ein Höhepunkt des Vortages war sicherlich die Wahl der Miss (I)NTACT, die unter der Schirmherrschaft von Christa Müller stand. Zwar war der Beginn der Veranstaltung - "typisch afrikanisch" - spontan um 4 Stunden nach hinten verrutscht und dauerte dafür bis tief in die Nacht, aber letztlich verlief sie mit großartigem Erfolg.
15 junge unbeschnittene Frauen zwischen 14 und 18 Jahren aus den Ethnien der Wama, Peulh und Bantonou stellten sich den Kriterien der Jury. Siegerin wurde die 18-jährige Sagui Nectopa Hortense aus dem Dorf Kotopounga der Gemeinde Natitingou. Ihr Vater ist Bauer, die Mutter Hausfrau. Sie ist die zweitälteste von insgesamt 7 Kindern. Wenn sie zurück in ihr Dorf kommt, werden andere Dorfbewohner ihr neidische Blicke nachwerfen, denn sie gewann mit dem ersten Preis ein wunderschönes, neues Moped. Weitere 9 Kandidatinnen erhielten je ein Stereoradion. In den Dörfern wird damit noch deutlicher werden, das unbeschnittene Mädchen und Frauen ein wertvoller Schatz sind.
Fotos rechts: die 15 Kandidatinnen bei der Wahl im Haus der Jugend und die gewählte Miss (I)NTACT, Sagui Nectopa Hortense
 
Erfolg eines Jahrzehnts Aufklärungsarbeit

Der Bruch dieser uralten Tradition in Benin ist in entscheidendem Maße dem deutschen Verein (I)NTACT - Internationale Organisation gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen - zu verdanken, der seit 1996 aktiv einheimische Partnerorganisationen in Benin finanziert hat. Dieser jahrelange Einsatz hat sich ausgezahlt. In weit über 1.000 Dörfern wurde über die weibliche Beschneidung aufgeklärt und Beschneiderinnen und wichtige Persönlichkeiten davon überzeugt, wie gesundheitsschädlich diese traditionelle Praxis ist. Alle bekannten Beschneiderinnen und Beschneider, insgesamt 216, haben innerhalb der letzten 5 Jahre ihre Messer abgegeben. Mit Kleinkrediten von (I)NTACT haben sie neue Einkommensquellen gefunden. Statt mit Beschneidung verdienen sie nun ihren Lebensunterhalt mit Baumwollanbau, Kleinviehzucht, Karité-Butter, Seifenproduktion oder ähnlichen Aktivitäten.
Nebenstehende Fotos: Plakat "Abgeschlossene Anti-Beschneidungs-Kampagnien" in verschiedenen Regionen Benins
Foto darunter: ehemalige Beschneiderinnen beim Spinnen von Baumwolle

 
Heute sorgen 1.300 Dorfkomitees dafür, dass in diesen Regionen niemand rückfällig wird. Sie wachen über die Beschneidungsfreiheit ihrer Dörfer. Nach zäher, aber erfolgreicher Überzeugungsarbeit der Partnerorganisationen von (I)NTACT erklärten 2004 auch die Fetisch-Priester der Wamas die weibliche Beschneidung als nicht mehr notwendig. Sie waren die letzten, die die Tradition noch bis vor kurzem hartnäckig verteidigt und eingefordert hatten. Es erforderte viel Geschick und Durchhaltevermögen - v.a. vom Repräsentanten der (I)NTACT-Organisation in Benin, N'Djonoufa C. Toussaint. Auch seinen Ideen und seinem Mut ist es letztlich zu verdanken, dass Tausenden von Mädchen jedes Jahr der blutige Brauch erspart, Tausenden die Gesundheit erhalten bleibt und oft auch das Leben gerettet wird.
 
Karneval und Volksfeststimmung

Grund genug für ein groß angelegtes Volksfest. Trotz sengender Sonne tanzten im Stadion von Natitingou am 9. April zahlreiche Folkloregruppen der Wama, Peulh, Bariba, Baatonu und der Lukpa. Auch Beschneidungsrhythmen waren - ein letztes mal - zu hören. In Zukunft werden diese Trommelklänge nicht mehr dazu benutzt, die Schreie der Mädchen zu übertönen. Die Ältesten werden einen anderen Weg finden, ihre reichhaltigen Traditionen zu bewahren und mit ihnen auch ihre Rhythmen. So vieles hat sich bereits geändert. Heute treten einige Tänzer in schrillen, fast poppigen Outfits auf. Rückkehrer aus Brasilien veränderten bereits vor langer Zeit die alten Naturreligionen (Voodoo, Juji, Grigri). Heute bringen Medien in Bild und Ton andere Denkweisen, Ansichten und Bilder in entlegene Orte. Was vor den anwesenden Persönlichkeiten aus In- und Ausland präsentierte wurde, war nicht mehr nur Musik- und Tanzaufführung, das war Karneval! Hier brachte er pure Freude an der Überwindung einer uralten Tradition zum Ausdruck.
Fotos rechts: Karneval der Folkloregruppen der Wama, Peulh, Bariba, Baatonu und der Lukpa

 
Signalwirkung für andere afrikanische Staaten

"Dieses wichtige Ereignis", sagte Christa Müller, "kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wir versprechen uns eine sehr starke Signalwirkung für die gesamte Region Westafrika, wo die weibliche Beschneidung noch zum Brauch gehört. In vielen Nachbarländern Benins soll der Ehrgeiz angestachelt werden, in absehbarer Zeit ähnliche Erfolge zu erzielen. Alle westlichen Länder fordern wir auf, den Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung auch weiterhin mit allem Nachdruck zu unterstützen."

 

Neue Ziele sieht (I)NTACT jetzt in der verstärkten Prävention. Kontrollorgane wie die Polizei müssen informiert und überzeugt werden, dass das seit 2003 existierende Anit-Beschneidungs-Gesetz mit aller Härte umgesetzt wird. Gerade an den Grenzen des Landes ist die Situation besonders gefährlich. Daher gibt es wenige Kilometer hinter Natitiogou bereits neue Projekte von (I)NTACT in Togo. Traditionen machen vor Landesgrenzen keinen Halt, aber sie können durch Aufklärung und Wissen beeinflusst werden.


Foto rechts: Frauen kehren der Beschneidung den Rücken ... auf ihren T-Shirts steht: "Festivités marquant. Abandon Excision." - "Bedeutende Festlichkeit. Aufgabe der Beschneidung"
Fotos ganz unten: Christa Müller mit Fatma, einem von zahlreichen Mädchen
aus dem Dorf Tora, Gemeinde Natitingou, dass keine Beschneidung mehr fürchten muss, da es unter dem Schutz des mächtigsten Fetisch-Priesters Benins, Yarikaté, steht

 
 
TV-Tipp:
Das Auslandsjournal wird im ZDF voraussichtlich in Juni
einen Sonderbericht zum Fest in Natitingou und zur Arbeit des Vereins (I)NTACT gegen die weibliche Beschneidung in Benin ausstrahlen.
 
 
 
 
 

mehr Info:
Rede der Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul
Bericht der Frankfurter Rundschau vom 18.4.05
(I)NTACT Benin
(I)NTACT Städtegruppe München
(I)NTACT Saarbrücken

 
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Sprichwort aus Burundi
 

Heidemarie Wieczorek-Zeul und Madame Latoundji Láuriano

Adieu l'Excision - Abschied von der Beschneidung

v.l.n.r.: Madame Latoundji Láuriano, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Madame Léa Hounkpé und Christa Müller

Ansprache des Vertreters der traditionellen Chefs

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul

Kandidatinnen der Misswahl

Miss (I)NTACT, Sagui Nectopa Hortense

Plakat Anti-Beschneidungs-Kampagnien



Karneval der Folkloregruppen in Natitingou

Karneval der Folkloregruppen in Natitingou

Karneval der Folkloregruppen in Natitingou

Karneval der Folkloregruppen in Natitingou
Karneval der Folkloregruppen in Natitingou

Christa Müller mit Fatma und Iher Mutter in Tora


Fotos oben:
Fest zum Ende der Beschneidung am 8. - 9.4.2005 in Natitingou, Benin
Fotos von B. Schirpke

 

     
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